Bauen mit Maß und Vernunft

Wie Kommunen und Landkreise Baukosten wirksam begrenzen können

Gastbeitrag von Dr. Ernst Krendlinger

Ob Schulneubau, Kindergarten, Sporthalle oder Verwaltungsgebäude – kommunale Bauprojekte sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden als ursprünglich kalkuliert. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg mussten bei mehreren Vorhaben Kosten nach oben angepasst werden. Die Gründe sind vielfältig: Baupreissteigerungen, Materialengpässe, höhere Energieanforderungen, zusätzliche Auflagen oder Planungsänderungen im laufenden Verfahren.

Doch statt nur auf äußere Umstände zu verweisen, stellt sich eine entscheidende Frage:
Was können Kommunen selbst tun, um Baukosten künftig besser zu steuern – ohne auf Qualität oder Nachhaltigkeit zu verzichten?


Realistische Planung von Anfang an

Viele Kostensteigerungen entstehen nicht erst auf der Baustelle, sondern in der frühen Projektphase. Erste Kostenschätzungen sind naturgemäß grob. Gleichzeitig besteht politischer Druck, Projekte mit möglichst niedrigen Zahlen auf den Weg zu bringen.
Wird später genauer geplant, steigen die Summen – und aus einer nachvollziehbaren Anpassung wird in der öffentlichen Wahrnehmung schnell eine „Kostenexplosion“.

Ein Ausweg wäre mehr Transparenz von Beginn an:
Kostenschätzungen sollten realistisch kalkuliert und mit klar benannten Risikopuffern versehen werden. Eine ehrliche Zahl am Anfang ist besser als eine scheinbar günstige, die sich später nicht halten lässt.


Energetische Standards: sinnvoll statt maximal

Klimaschutz ist ein zentrales Ziel – auch im Landkreis. Energetische Sanierungen und moderne Gebäudestandards sind grundsätzlich richtig. Doch die entscheidende Frage lautet: Rechnet sich jede Maßnahme tatsächlich?

Der Unterschied zwischen verschiedenen Effizienzhaus-Stufen kann erhebliche Mehrkosten verursachen. Technische Lösungen wie komplexe Lüftungsanlagen, aufwendige Fassadendämmungen oder sehr hohe Dämmstandards erhöhen die Investitionssumme deutlich. Ob sich diese Mehrkosten über die Nutzungsdauer wirtschaftlich amortisieren, sollte nüchtern berechnet werden.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht, überall das technisch Machbare umzusetzen.
Nachhaltigkeit bedeutet, das wirtschaftlich Sinnvolle zu wählen.
Gerade in Zeiten angespannter Haushalte muss jede energetische Maßnahme sowohl ökologisch als auch ökonomisch tragfähig sein.


Normen und Vorschriften – gut gemeint, teuer in der Summe

Ein wesentlicher Kostentreiber liegt außerhalb der eigentlichen Bauausführung: die stetig wachsende Zahl an Vorschriften und Regulierungen.

Brandschutz, Barrierefreiheit, Schallschutz, Gebäudeenergiegesetz, Vergaberecht mit europaweiten Ausschreibungen, umfangreiche Dokumentationspflichten – jede einzelne Regelung ist für sich betrachtet nachvollziehbar. In ihrer Gesamtheit führen sie jedoch zu komplexeren Planungen, längeren Genehmigungsverfahren und erheblich höheren Kosten.
Gerade kleinere Kommunen verfügen oft nicht über ausreichend spezialisiertes Fachpersonal, um diese Anforderungen effizient zu bewältigen. Externe Gutachten und zusätzliche Planer sind notwendig – und verteuern Projekte weiter.

Wichtig zu betonen: Diese Vorschriften kommen nicht aus der Region. Sie werden vom Land oder Bund vorgegeben und lassen sich auf kommunaler Ebene nicht ändern – auch wenn mancherorts Wünsche nach Vereinfachung bestehen. Hier braucht es daher vor allem kluge Umsetzung, nicht Wunschdenken.
Sicherheit darf nicht gefährdet werden – aber Verfahren müssen handhabbar bleiben.


Lebenszykluskosten statt nur Baukosten

In kommunalen Debatten wird häufig die reine Investitionssumme betrachtet. Doch die Baukosten sind nur ein Teil der Gesamtbelastung.
Entscheidend sind die Kosten über 30 oder 40 Jahre:

  • Energieverbrauch
  • Wartung und Instandhaltung
  • Reparaturen
  • spätere Modernisierungen

Eine etwas höhere Anfangsinvestition kann langfristig wirtschaftlicher sein – oder umgekehrt. Deshalb sollten Entscheidungen konsequent auf Basis von Lebenszyklusberechnungen getroffen werden, nicht auf Grundlage kurzfristiger Zuschusslogiken oder politischer Symbolik.


Standardisierung statt architektonischer Einzelstücke

Warum muss jedes öffentliche Gebäude ein Unikat sein?

Gerade bei wiederkehrenden Gebäudetypen wie Kitas, Schulen oder Sporthallen bieten modulare Bauweisen und Typenplanungen großes Einsparpotenzial. Standardisierte Konzepte verkürzen Planungszeiten, reduzieren Fehlerquellen und senken Architektenhonorare.
Andere Regionen haben mit seriellen Bauweisen gute Erfahrungen gemacht. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg könnte dieser Ansatz helfen, Bauzeiten und Kosten besser zu kontrollieren.


Professionelle Projektsteuerung und striktes Controlling

Große Bauprojekte benötigen klare Verantwortlichkeiten und konsequentes Controlling. In der Privatwirtschaft sind Meilensteinplanung, Risikomanagement und Kostenüberwachung selbstverständlich. Kommunale Projekte sollten denselben Anspruch haben.

Denn einer der größten Kostentreiber ist Zeit.
Jede Bauzeitverlängerung bedeutet höhere Materialpreise, zusätzliche Planungsstunden und steigende Finanzierungskosten.


Eigenverantwortung schafft Effizienz – ein Praxisbeispiel

Manchmal sind es gerade die kleinen, pragmatischen Entscheidungen, die viel Geld sparen können. Als Kirchenpfleger der Pfarrkirche in Derching stand ich vor einem großen Projekt: Ein neues Dach für die Kirche – eine Investition von über 250.000 € – musste national ausgeschrieben werden. Eine Firma aus Leipzig bot einen deutlich günstigeren Preis als regionale Anbieter.

Dennoch entschied ich, den regionalen Anbieter zu beauftragen: Langfristige Betreuung, Nacharbeiten oder kleine Reparaturen nach einigen Jahren lassen sich vor Ort viel einfacher und wirtschaftlicher erledigen. In enger Abstimmung mit der Firma wurden zudem alle Details präzise geplant und umgesetzt. Am Ende kostete das Dach sogar 10.000€ weniger als das ursprüngliche Angebot – ohne dass Qualität oder Sicherheit gelitten hätten. Des hod si auszahlt, sog i eich.

Dieses Beispiel zeigt: Wer einen erfahrenen, sachkundigen Entscheidungsträger vor Ort hat, der eigenverantwortlich handeln kann und die praktischen Zusammenhänge kennt, spart oft Zeit, Kosten und Nerven – auch bei großen Bauprojekten. Erfahrung und Fachwissen sind entscheidend, um komplexe Projekte effizient zu steuern, ohne dass Qualität oder Nachhaltigkeit leiden.


Fördermittel mit Augenmaß einsetzen

Förderprogramme von Bund und Land sind wichtig. Gleichzeitig können hohe Zuschussquoten unbeabsichtigt zu größeren oder technisch aufwendigeren Lösungen verleiten.

Die entscheidende Frage muss immer lauten:
Würden wir dieses Projekt in dieser Größe und Ausstattung auch ohne Förderung realisieren?
Fördermittel sollten helfen, Projekte wirtschaftlicher zu machen – nicht sie automatisch zu vergrößern.


Verantwortungsvoll und sachorientiert entscheiden

Die Baukostenentwicklung ist kein rein lokales Problem, sondern eine bundesweite Herausforderung. Dennoch gibt es auf kommunaler Ebene erhebliche Gestaltungsspielräume.
Realistische Planung, wirtschaftlich geprüfte energetische Standards, kritischer Umgang mit Vorschriften, Lebenszyklusbetrachtungen, Standardisierung, professionelle Projektsteuerung und erfahrene Entscheidungsträger können dazu beitragen, öffentliche Mittel effizienter einzusetzen.

Gerade in Zeiten angespannter Haushalte – mia miassn hoid schaun – müssen Kommunen mit begrenzten Mitteln zurechtkommen. Dabei hilft vor allem eines: Sachorientierung statt Parteitaktik.

Kommunalpolitik ist besonders stark, wenn Entscheidungen nicht aus übergeordneten Vorgaben oder ideologischen Grundsatzdebatten heraus getroffen werden, sondern aus der konkreten Situation vor Ort. Wer unabhängig agieren kann, abwägt und pragmatisch handelt, bringt Klimaschutz, Qualität und Wirtschaftlichkeit am besten unter einen Hut. Nachhaltige Politik auf kommunaler Ebene braucht keine Schlagworte – sie braucht nüchterne Analyse, Erfahrung und den Mut, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu wählen. Mit Maß, Vernunft und einem klaren Blick für das Machbare.


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